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Leseempfehlung

Enzyklika Magnifica humanitas von Papst Leo XIV.

Papst Leo XIV hat am 25.5.26 seine erste Enzyklika veröffentlicht, in der er sich ganz bewusst in die Tradition der kirchlichen Soziallehre stellt, die mit der Sozialenzyklika Rerum Novarum von Leo XIII 1891 ihren Anfang nahm.
Die KI-Entwicklung sieht Papst Leo als eine Zeitenwende vergleichbar mit der industriellen Revolution des 19. Jahrhunderts. Eine zeitgemäße Soziallehre im 21. Jh müsse daher folgende Prinzipien haben: Gemeinwohlorientierung, allgemeine Bestimmung der Güter, Subsidiaritätsprinzip, Solidaritätsprinzip und das Prinzip der sozialen Gerechtigkeit.
Angewandt auf die Herausforderungen durch die KI ergebe sich die Notwendigkeit der Verantwortung, Transparenz und Steuerung der KI: „Wir können KI nicht als moralisch neutral betrachten. In Wirklichkeit bringt jedes technische Artefakt Entscheidungen und Prioritäten mit sich: was es misst, was es ignoriert, was es optimiert und wie es Menschen und Situationen einstuft.(…) Aus diesem Grund darf sich ethische Urteilskraft nicht darauf beschränken, zu fragen, ob wir ein bestimmtes System für einen guten oder schlechten Zweck nutzen, sondern muss sich auch fragen, wie es konzipiert ist und welches Bild von Mensch und Gesellschaft in die Daten und Modelle eingeschrieben ist, die es leiten.“ (104)
Scharfsinnig erkennt Papst Leo die Gefahren einer Tech-Ideologie, die von Trans- und Posthumanismus geprägt ist und von Algorithmen, die Kriege begünstigen, gewalttätige Machtkulturen und neuen Kolonialismus hervorbringen.
Demgegenüber bedarf es sowohl der Anstrengung der Einzelnen, der demokratischen Kontrolle als auch guter Bildungssysteme, denn mit Tolkien lasse sich sagen: „doch unsere Sache ist es nicht, die Welt durch alle Zeiten zu steuern, sondern in den Jahren, auf die wir beschränkt sind, zu tun, was wir können, um das Übel auf den uns bekannten Feldern auszujäten, damit jene, die nach uns kommen, einen guten Boden vorfinden.“ (213)
Dem System Schule misst der Papst dabei eine wichtige Rolle zu:
„Wenn wir nicht aufpassen, kann ein Bildungssystem entstehen, dem die Liebe zur Wahrheit fehlt und in dem der unaufhörliche Informationsfluss Forschung, Reflexion und Unterscheidung ersetzt. Angesichts eines zunehmend fragmentierten Wissens wird es schwieriger, die Wirklichkeit als Ganzes zu erfassen, Fragen nach dem Sinn zu stellen und ein authentisches, kritisches und kreatives Denken zu entwickeln. (…) Die Schule braucht nicht der Geschwindigkeit der digitalen Welt nachzujagen, sondern sollte das anbieten, was die digitale Welt allein nicht geben kann: gemeinsame Zeit für das Lernen und verlässliche Beziehungen.“ (146/147)
Unbedingte Leseempfehlung der Enzyklika Magnifica humanitas

Bild: erstellt mit Canva und pixelshot